Eintauchen in die Welt der Bits und Bytes

Das Weizenbaum-Institut bei der Langen Nacht der Wissenschaften

Wie beeinflussen datenbasierte Geschäftsmodelle die Innovationskraft der Berliner Startup-Szene? Und kann die Blockchain-Technologie tatsächlich staatliche Institutionen ersetzen? Forschungsgruppen des Weizenbaum-Instituts gaben bei der Langen Nacht der Wissenschaften am 9. Juni 2018 Antwort auf diese und viele weitere Fragen. Mit einem Informationsstand und zwei interaktiven Vorträgen präsentierte sich das Weizenbaum-Institut auf dem Campus des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB). Wissensdurstige hatten zudem die Möglichkeit, an einer Schnitzeljagd teilzunehmen und dabei die geschichtsträchtige Architektur des WZB zu erkunden.

Wir können auch analog: Geschäftsstellenleiterin Karin-Irene Eiermann stellt das Institut vor (Bild: Weizenbaum-Institut/Stiglmayer)

Bei sommerlichen Temperaturen und unter blauem Himmel eröffnete am frühen Abend Karin-Irene Eiermann, Leiterin der Geschäftsstelle des Weizenbaum-Instituts, die erste Session im Innenhof des WZB. Sie gab Einblick in Aufbau, Struktur und Ziele des Weizenbaum-Instituts. Dabei verzichtete sie gänzlich auf technische Hilfsmittel und verwendete zur Veranschaulichung Illustrationen – getreu dem Motto „das Deutsche Internet-Institut kann auch analog“.

Wir können auch analog: Geschäftsstellenleiterin Karin-Irene Eiermann stellt das Institut vor (Bild: Weizenbaum-Institut/Stiglmayer)

Die Doktoranden Stefanie Hecht und Bennet Etsiwah erläutern den Einfluss datenbasierter Geschäftsmodelle (Bild: Weizenbaum-Institut/Stiglmayer)

Die Doktoranden Stefanie Hecht und Bennet Etsiwah erläutern den Einfluss datenbasierter Geschäftsmodelle (Bild: Weizenbaum-Institut/Stiglmayer)

Daten als Geschäftsmodell

Anschließend gingen die Doktoranden Stefanie Hecht und Bennet Etsiwah der Frage nach, welche Bedeutung datenbasierte Geschäftsmodelle für den Innovationsstandort Berlin haben. Vergleichsweise günstige Immobilienpreise, eine exzellente Forschungslandschaft und jede Menge qualifizierte Fachkräfte sind laut Hecht nur einige von vielen Gründen, die Startups und Investoren nach Berlin locken. Wie datenbasierte Geschäftsmodelle aufgebaut sind, erklärte Etsiwah am Beispiel von Free2Move, einer Meta-App, welche die Dienste verschiedener mobiler Sharing-Anbieter zusammenführt. Im Austausch mit den Gästen erläuterte die Forschungsgruppe dann, wie weitere datenbasierten Geschäftsmodelle die Berliner Gründerszene nachhaltig verändert haben.

Sophie Beaucamp und Martin Florian im Zwiegespräch über die Anwendung der Blockchain (Bild: Weizenbaum-Institut/Stiglmayer)

Ist die Blockchain-Technologie die nächste große IT-Revolution?

Im Mittelpunkt der zweiten Session standen Anwendungsszenarien der Blockchain-Technologie. Dabei lieferten sich die Juristin Sophie Beaucamp und der Informatiker Martin Florian einen regelrechten Schlagabtausch. Florian erklärte, dass sich die Blockchain keineswegs nur für Kryptowährungen wie Bitcoin nutzen lasse, sondern auch für demokratische Wahlen. Beaucamp hielt dagegen und betonte, dass demokratische Wahlen frei, geheim, gleich, allgemein und unmittelbar sein müssten. Diese Grundsätze könnten bei einer Blockchain-Wahl nur in Teilen gewahrt werden. Zudem müsse die Stimmauswertung, die in Deutschland noch per Hand erfolge, transparent sein. Bei einer digitalen Wahl mit Blockchain fehle es den meisten Menschen am technischem Know-How, um die Stimmabgabe nachvollziehen zu können. Am Ende einigten sich die beiden Wissenschaftler, dass die Blockchain zwar viele Anwendungsmöglichkeiten biete, diese aber vor allem unter rechtlichen Gesichtspunkten noch auszubessern seien.

Sophie Beaucamp und Martin Florian im Zwiegespräch über die Anwendung der Blockchain (Bild: Weizenbaum-Institut/Stiglmayer)

Forschungsgruppenleiterin Romy Hilbig spricht im Interview mit radioeins über datenbasierte Geschäftsmodelle (Weizenbaum-Institut/Pelz)

Auf den Spuren des Weizenbaum-Instituts

Eine moderne Art der Schnitzeljagd lud Nachtschwärmer dazu ein, mehr über das Weizenbaum-Institut zu erfahren – und gleichzeitig die geschichtsträchtige Architektur des WZB zu erkunden. Über ein freies dezentrales WLAN im Innenhof des WZB konnten die Fragen und Aufgaben eingesehen werden. Bei dem WLAN handelt es sich um eine freie und dezentrale Infrastruktur, die mithilfe eines Kleinstcomputers und einer speziellen Software bereitgestellt wurden. Eine solche Technologie wird häufig in Ländern mit Internetzensur verwendet, da sie dem Menschen einen Weg bietet, ihr Recht auf freie Meinungsäußerung auszuüben. Das Besondere an einer solchen freien Infrastruktur ist, dass keine personenbezogenen Daten erhoben, verarbeitet oder zurückverfolgt werden können.

Forschungsgruppenleiterin Romy Hilbig spricht im Interview mit radioeins über datenbasierte Geschäftsmodelle (Weizenbaum-Institut/Pelz)

Das Weizenbaum-Institut bei radioeins

radioeins berichtete live von 19 bis 23 Uhr von der Langen Nacht der Wissenschaften aus dem WZB. In einem Interview gaben die zwei Forschungsgruppen des Weizenbaum-Instituts Einblick in ihre Arbeit und standen dem Moderator Stephan Karkowsky Rede und Antwort. Mehr zur Sondersendung von radioeins gibt es hier.