Digital Citizenship

Forschungsgruppe 13

Die Online-Welt eröffnet heute beinahe unbegrenzte Möglichkeiten, uns mit anderen Menschen zu verbinden und jenseits unserer privaten Welt aktiv zu werden: Wir suchen unsere Partner im Internet, finden weltweit eine Couch zum Übernachten, können per App überzählige Lebensmittel verschenken oder lassen uns beraten, welche Parteiprogramme unseren Vorstellungen am nächsten kommen. Bei all diesen neuen Handlungsmöglichkeiten stellt sich die Frage, wie deren Wahrnehmung durch die Bürgerinnen und Bürger unsere Demokratie verändert. Wir wissen bisher noch wenig darüber, ob und wie die Aufgeschlossenheit gegenüber neueren Formen gesellschaftlichen Engagements die Vorstellungen der Bürger von ihrer Rolle in der Gesellschaft verändert.

Emergente Bürgernormen

Die Forschungsgruppe will diese Veränderungsprozesse systematisch untersuchen: So sollen sich verändernde bzw. neu entstehende Einstellungen und Erwartungen in Bezug auf politisches Engagement in der Demokratie – so genannte emergente Bürgernormen – identifiziert und ihre Folgen für die individuelle politische Partizipation und Diskursteilhabe unter widrigen Bedingungen (z. B. Hate speech, Inzivilität) analysiert werden. Wir wollen erstens herausfinden, wie Menschen ihr Verhältnis zur Demokratie heute verstehen und ein besonderes Augenmerk darauf legen, wie dieses Verhältnis von der Online-Kommunikation auf individueller Ebene geprägt wird.

Bürgernormen und Partizipationsverhalten

Eine Arbeitshypothese hierzu ist, dass die Aneignung emergenter Bürgernormen in der Praxis sowohl die (Bereitschaft zur) Meinungsäußerung als auch die individuelle Verantwortlichkeit für den entstehenden öffentlichen Online-Diskurs fördert. Deshalb untersuchen wir beispielsweise, unter welchen Bedingungen emergente Bürgernormen sogenanntes „moderierendes Handeln“ fördern kann, d.h. die Bereitschaft, in öffentlichen Diskussionen zu intervenieren, wenn die zivile Diskussionskultur als bedroht wahrgenommen wird. Für diese Forschung werden sowohl qualitative als auch quantitative Forschungsmethoden eingesetzt: Leitfadeninterviews und ethnografische Studien sollen ebenso wie bevölkerungsrepräsentative Befragungen dabei helfen, Bürgernormen und Partizipationsverhalten zu identifizieren und möglichst ganzheitlich zu beschreiben bzw. zu erklären. Experimentelle Designs sollen zusätzlich bei der Beantwortung von Wirkungsfragen unter simulierten Online-Bedingungen helfen.

Die neue Rolle der Bürger in der vernetzten Gesellschaft

Unsere Forschung zielt darauf ab, die akademische Debatte über Partizipation und Bürgernomen aus der integrativen Sicht der Kommunikationswissenschaft, Politikwissenschaft, Soziologie und Psychologie weiterzuentwickeln. Von der interdisziplinären Perspektive sollen sowohl die zivilgesellschaftliche Praxis als auch der politische Entscheidungsprozess profitieren: Erstens, indem ein grundsätzliches Verständnis von der neuen Rolle der Bürger in der vernetzten Gesellschaft bereitgestellt wird, vor dessen Hintergrund Partizipation und Demokratie weitergedacht werden können. Und zweitens, indem Bürger als konkrete Botschafter des zivilen Diskurses im Netz verstanden werden, die eine wichtige Rolle für die Festigung der Demokratie unter Bedingungen der Digitalisierung spielen können.


Mitglieder der Forschungsgruppe

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Prof. Dr. Martin Emmer

Principal Investigator

 

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Dr. Pablo Porten-Cheé

Postdoc und Forschungsgruppenleiter

 

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Annika Schütz

Forschungsgruppenassistentin

 

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Louise Jørring

Doktorandin

 

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Marlene Kunst

Doktorandin

 

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Laura Leißner

Doktorandin

 

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António Dinis Valentim

Doktorand

 

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Sina Thäsler-Kordonouri

Studentische Hilfskraft