Daten als Zahlungsmittel

Forschungsgruppe 4

Die Forschungsgruppe 4 „Daten als Zahlungsmittel“ beschäftigt sich mit der Verwendung von Daten in der digitalen Wirtschaft aus rechtswissenschaftlicher, psychologischer, technischer und ökonomischer Perspektive. Wir analysieren die vielfältigen Konstellationen und Geschäftsmodelle, in denen Verbraucher*innen wie Unternehmen (personenbezogene) Daten zur Verfügung stellen, diese erheben, nutzen, verwerten, handeln oder teilen. Unser besonderes Augenmerk gilt hierbei den zivilrechtlichen Herausforderungen, welche Entwicklungen wie „Big Data“ und das „Internet of Things“ mit sich bringen.

Umgang mit privaten Daten

Hier stellen sich zunächst Grundsatzfragen, die den gesamten Forschungsbereich durchdringen und immer wieder relevant werden. Dazu zählt zum Beispiel die umstrittene Frage, ob die gelebte Praxis des Verkaufs privater Daten hingenommen, unterstützt oder verhindert werden soll – eine Frage für deren Beantwortung auch die Untersuchung des Verbraucherverhaltens im Hinblick auf zugrunde liegende kognitive und emotional-motivational, dynamische Prozesse von Bedeutung ist. Die Ergebnisse dieser Untersuchung tragen zu einem besseren Verständnis der Entscheidungsfindung von Verbrauchern bei und ermöglichen somit eine präzisere Ausformulierung von Handlungsempfehlungen im Hinblick auf die Gestaltung und Veränderungen vertragsrechtlicher Rahmenbedingungen.

Juristischer Umgang mit Daten

Eine tragende Rolle spielt zudem der juristische Umgang mit Daten, insbesondere die Frage, ob an ihnen Rechte bestehen oder möglicherweise einzuräumen sind. Solche schuld- und sachenrechtlichen Problemstellungen betrachten wir im Lichte der besonderen Bedeutung des Datenschutzes und der Grundrechte sowie unter der Prämisse der Selbstbestimmung des Individuums.

Europäisches und deutsches Vertragsrecht

Aspekte des europäischen und deutschen Vertragsrechts vor dem Hintergrund der fortschreitenden Digitalisierung stehen ebenso im Mittelpunkt unserer Forschung. In diesem Zusammenhang setzten wir uns unter anderem mit der von der Europäischen Kommission initiierten Strategie für einen digitalen Binnenmarkt und den damit einhergehenden Gesetzesvorhaben auf europäischer Ebene intensiv auseinander. Hierzu zählt insbesondere der Richtlinienvorschlag der Europäischen Kommission über bestimmte vertragsrechtliche Aspekte der Bereitstellung digitaler Inhalte, welche die faktische Bedeutung des Geschäftsmodells „Dienst gegen Daten“ nachvollzieht und durch geeignete Regelungen zu fassen versucht.

Funktionsweise digitaler Märkte

Einen weiteren Schwerpunkt bilden Fragen rund um die Funktionsweise von digitalen Märkten und deren Bedeutung für das Wettbewerbsrecht. Von besonderer Relevanz ist hier die Abgrenzungsproblematik von Märkten in der datengetriebenen Wirtschaft, die Frage ob und inwiefern in diesem Zusammenhang von Marktversagen gesprochen werden kann sowie den daraus resultierenden kartell- und lauterkeitsrechtliche Implikationen. Ziel ist dabei stets, das allgegenwärtige Spannungsfeld zwischen effektivem Verbraucherschutz und Förderung von Innovation und Wettbewerb auszuloten und mithilfe eines interdisziplinären Ansatzes zu praktikablen Lösungsansätzen zu gelangen.

 



The Research Group examines the usage of data in the digital economy from legal, psychological, technological as well as economic perspectives. We analyse the multitude of combinations and business models, in which both consumers and companies provide, collect, use, utilise, trade with or share (personal) data. We focus in particular on new challenges to private commercial law triggered by developments commonly referred to as “Big Data” and the “Internet of Things”.

One of the principal issues we investigate is the exchange of personal and non-personal data in return for goods and services in digital form. Especially the growing trend of consumers “selling” their data in such way is rather controversial, and answering the question whether the law should accept, support, set conditions or rather reject this form of transaction can benefit from research in the area of consumer behaviour based on the underlying cognitive and emotional-motivational, dynamic processes. Our premise is that such research can contribute to our understanding of consumer decision-making process and by extension provide a sound basis for law and policy choices.

More broadly, we look into relationships between data and law while focusing on the attempt of law to conceptualize and then regulate data and data-related activities. One central aspect of this effort is the question whether data is, or should be, the object of legal rights, for instance, property rights. Assuming that this is the case, the next question is how these rights should be recognized and how far should they reach. Our research addresses in this context the law of obligations and property law with special attention to the significance of data protection law and fundamental rights as applied to personal data premised on the individual right to self-determination.

European and German contract law provides an initial point of reference in the positive law that is facing the challenges of omnipresent digitisation. In this context, we review the Digital Single Market Strategy initiated by the European Commission as providing the regulative impetus and the ensuing legislative proposals on EU level. The legislative agenda includes the European Commission’s proposal for a directive on certain aspects concerning contracts for the supply of digital content, where the EC confronts some of the challenges of accepting business models premised on the concept of data as counter-performance.

Our research also covers questions related to the functioning of digital markets from the perspective of competition law. In this regard, we look into definitions of a market in the data-driven economy and ask whether market failures may obstruct the operation of that market. This inquiry potentially affects the application of antitrust and unfair competition law. One of our goals is to further explore and find solutions to the tension between effective consumer protection on the one hand, and a legal environment that provides sufficient incentives for innovation and commercial competition on the other hand.


Mitglieder der Forschungsgruppe

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Prof. Dr. Axel Metzger

Principal Investigator

 

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Dr. Zohar Efroni

Postdoc und Forschungsgruppenleiter

 

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Jana Pinheiro Goncalves

Forschungsgruppenassistentin

 

 

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Marie Schirmbeck

Doktorandin

 

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Lena Mischau

Doktorandin