Ungleichheit und digitale Souveränität

Forschungsgruppe 8

Unter dem Begriff der digitalen Souveränität wird seit einiger Zeit ein neues Leitbild für Menschen in der digitalen Welt diskutiert, das die Kompetenzen, Pflichten und Rechte des Individuums in Zeiten der zunehmenden Datenanalyse, Profilbildung und schwindenden Privatsphäre ins Blickfeld rückt. Die von Edward Snowden aufgedeckten Überwachungs- und Spionagetätigkeiten zahlreicher nationaler Geheimdienste verdeutlichen die Relevanz dieses Problemfelds, in dem Politiker*innen und Organisationen zuletzt auf europäischer und nationaler Ebene die Definition und Sicherung digitaler Souveränität der europäischen Bürger*innen auf die Tagesordnung gesetzt haben.

Individueller Umgang mit digitalen Technologien

Neben solchen Bedrohungen von außen ist jedoch auch durch Unterschiede im individuellen Umgang mit (und z. T. immer noch im Zugang zu) digitalen Technologien die Selbstbestimmung der Bürger*innen gefährdet: So zeigen sich in Deutschland deutlich größere Diskrepanzen in der Nutzung von Internetquellen im Alltag als in anderen Ländern. Persönliche Daten werden im Internet offengelegt, oft ohne dass ein Bewusstsein über deren Relevanz vorhanden wäre. Internet-Abstinenz kann in einer zunehmend digitalisierten Welt das Problem nicht lösen, sondern provoziert es sogar. Denn hier besteht die Gefahr, dass Teile der Bevölkerung von der Teilhabe an der Gesellschaft mittelfristig ausgeschlossen werden.

Digitale Souveränität 

Lösungsansätze können sich z. B. durch Privacy-by-Design-Ansätze ergeben. Unter dem Schlagwort der digitalen Souveränität werden allerdings sehr unterschiedliche politische Diskurse geführt, die sowohl die Souveränität des individuellen Nutzers als auch die Souveränität von Kollektiven bzw. Staaten umfassen und die von dem Diskurs um politische Partizipation und die Folgen der Digitalisierung für demokratische Politik zu unterscheiden sind (zu Letzterem siehe die Forschergruppe 13 zu Digital Citizenship). In diesem Feld soll es Aufgabe des Weizenbaum-Instituts sein, ein besseres Verständnis der verschiedenen Dimensionen und Aspekte von digitaler Souveränität zu entwickeln.

Die Forschungsgruppe bearbeitet insbesondere die folgenden Fragestellungen:

  1. Wie und warum unterscheiden sich Nutzungsformen digitaler Angebote in sozialen Gruppen und Segmenten der Gesellschaft?
  2. Welche Formen und Rahmenbedingungen digitaler Souveränität gibt es?
  3. Welche Folgen hat fehlende Souveränität in der digitalen Welt?

 


Mitglieder der Forschungsgruppe

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Prof. Dr. Dr. Thomas Schildhauer

Principle Investigator

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Prof. Dr. Gesche Joost

Principle Investigator

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Dr. Andreas Unteidig

Forschungsgruppenleiter

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Marie Luise Schulz

Forschungsgruppenassistentin

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Bodo Pahlke

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

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Elizabeth Calderón Lüning

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Fotos: © Universität der Künste Berlin, © Jan Kopankiewicz