Forschungsbereich 3: Wissen, Bildung und soziale Ungleichheit

Digitale Technologien und das Internet stellen grundlegend neue Anforderungen an Bildung. Man kann beobachten, dass Nutzer*innen sich in kurzer Zeit praktische Anwendungskenntnisse erarbeiten und neue Medien und Anwendungen sehr schnell in ihren Alltag integrieren. Dieser Prozess wird unterstützt durch zunehmend intuitiv gestaltete Nutzerschnittstellen, die es bereits Kindern erlauben, ohne wesentliche Anleitung selbst komplexe Anwendungen schnell zu erlernen und zu gebrauchen. In diesen eher pragmatischen Nutzungssituationen können allerdings die möglichen weiterführenden Konsequenzen der entsprechenden Technologien nur begrenzt reflektiert werden. Die mit ihnen einhergehenden Gefahren für das eigene Wohlbefinden, Bedrohungen der privaten Lebenswelt und der individuellen Selbstbestimmung – aber auch mögliche weiterführende positive Chancen, die in bestimmten Anwendungen angelegt sind – sind für Individuen in ihren Rollen als Bürger*innen, Konsument*innen oder Arbeitnehmer*innen oft nicht sofort erkennbar, weil die technischen Grundlagen und gesellschaftlichen Folgen in ihrer Komplexität nicht unmittelbar durchschaubar sind.

Dies ist eine Herausforderung für die Forschung auf verschiedenen Ebenen. So muss untersucht werden, welches Wissen und welche Kompetenzen im Rahmen einer digitalen Bildung zukünftig für Menschen in einer digitalen Welt nötig sind. Eine besondere Herausforderung ist hier die soziale Differenzierung der Wissensvermittlung: Je nach Bildungshintergrund, Alter und Nutzungserfahrung müssen praktische Nutzungskenntnisse, technisches Hintergrundwissen oder soziale Folgenabschätzung vermittelt werden, um die hier angelegten Ungleichheitspotenziale zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken.

Auf einer höheren Analyseebene geht es darum, den Menschen zu ermöglichen, ihren eigenen Handlungsspielraum in einer Umwelt von immer neuen digitalen Produkten, Dienstleistungen und Kommunikationsstrukturen zu erhalten und zu erweitern: Hier muss untersucht werden, welche Regeln gesetzt und welche spezifischen Kompetenzen entwickelt werden müssen, um die Einzelnen zu ermächtigen, technologische, ökonomische und soziale Konsequenzen selbstständig beurteilen zu können: Wie kann das Prinzip der individuellen Selbstbestimmung und Souveränität in digitalen Welten definiert und umgesetzt werden?

Ziel muss es hierbei sein, negative Folgen der Digitalisierung durch fundierte Forschung zu verstehen – etwa im Bereich des Datenschutzes und der Sicherung der Privatheit – und dabei gleichzeitig die Potenziale digitaler Medien und Anwendungen für eine Verbesserung der individuellen und sozialen Lebensbedingungen zu erkennen und nutzbar zu machen. Dies betrifft nicht nur die Einzelnen, sondern auch soziale Gruppen sowie die Gesellschaft als Ganzes: Integration von Migrant*innen, Mehrheits- und Minderheitsgesellschaften, Menschen mit Behinderungen oder von Generationen kann – insbesondere vor dem Hintergrund der vermutlich dauerhaft bestehenden globalen Konfliktlinien – auch mithilfe neuer Kommunikationstechnologien besser gelingen, wenn hierfür Anwendungen und Anwendungsfälle erforscht und weiterentwickelt werden.

Vor diesem Hintergrund gliedert sich dieser Forschungsbereich in fünf Forschungsgruppen: